Vorgeschichte

In den Urkunden über den Ort Harle im Marburger Staatsarchiv taucht 1444 erstmals der Name Mecze auf. Sein Vorname ist Johannes Meckel, von Beruf ist er ein “Lesir”, d.h. ein Löser, ein Zehntsammler. Er und seine Schwester Ermegard verkaufen ihren Gesamtbesitz in Harle, den sie von ihren Eltern geerbt haben, Holz, Feld, Wiesen und Wasser für “22 Gulden guten Goldes” an Henne Ostheim und Eylen, seine eheliche Wirtin. Der Schwager von Johannes Meckel Mecze, Hermanne Kesseler, hat “follemacht”, den strengen Wulffe von Wulffershusen zu bitten, sein Insiegel an diesen Brief zu “henken”.1) Für uns erhebt sich die Frage: Ist dieser Johannes Meckel Mecze unser Vorfahr? Es ist nicht sicher, zumal er nacch Verkauf seiner Habe von Harle verzieht. Vielleicht ist er einer aus dem Geschlecht Metze, hat also mit uns gemeinsame Ahnen.



Ich, Johannes Lesir, den man nennt Johannes Meckel Mecze, und Ermegard, sine swester, bekennen vor uns und alle unser rechten erbin uffentlichen in diessen uffin briffe, das wir entrechtlich, semptlich und besundern mit unserm guden willen und vorbedachten mude vorkoufft han und uffgelassen han und vorkouffen und ufflasen in und mit krafft dieses briffes Hennen Ostheim, Eylen, siner ehelichen werthin, und iren kindern und rechten erben guderhen 1) und Erbezahl 2), das uns uffgeerbet ist von unsern eyledern seligen, das da geleygen ist in dem dorffe und dorffmarke und felde zu Harlon, es sy besucht 3) ader unbesucht 4), wo das geleygen ist in hoilze, in felde, wissen ader wassir, was des ist, nicht ußgescheiden, mit aller zubehorunge, wie man das findet ader unse eldern gehabt haben, das egnant 5) erbe und gud wir es gegeben und vorkoufft han vor zwi und zewantzig gulden, gud von golde und schwer gnung an irme gewichte, dy sie uns davor nuzlich und wol bezalt han, der wir sie quid segen, ledig und loes in diessem uffin briffe, und wir, egnant Johannes Mecze und Ermegard und unser erbin, vorzihen 6) an dem egnant gude und erbe alle des rechten und eygenthumes, das wir vorher darane gehabt haben ader noch gehaben mochten und sezen die egnant kouffere und ir erben darin und uns daruß in yre ewigliche, erbliche, ruweliche 7) besitcunge und soln sy nimmer nit darumb zu bethedingen 8) ader anzulangen, geistlich ader wertlich 9), ader nymant von unser wegen, sundern sy sullen und mogen mit dem egnant gude und erbe. Und diesse Sache vorzurichten, han ich, Johannes egnant, an myn eynde 10) Hermanne Kesseler, mynen schwager, vor mich follemacht gegeben, ußzurichten, darin zu thunde und zu laßene, alz ich yme des eyn instrument 11) gesand han von eym uffinparen 12) schriber, des 13) ich, Herman egnant, bekenne und uffe das ich diet also han ußgerichtet, alze vorgeschreben steyde. Dez zu orkunde und merer 14) sicherheit, so han ich, Herman Kesseler, vor Johannes Lesir, mynen schwager, und wir, Mecze und Ermegard, sin Swester, gebeden den strengen Wulffe von Wulffershusen, diessen briff vor uns zu besigeln, des ich, Wulff von Wulffershusen, bekenne, das ich umb bede 15) willen diesser vorgnant myn Ingeß 16) an diessen briff han thun henken, Datum anno Dm M CCCC 44, ipso Die Katherine virginis. (25. November 1444)

1) guderhen = Gütern, 2) Erbezal = Gesamterbe, 3) besucht = bewirtschaftet, 4) unbesucht = wüst, 5) egnant = vorgenannt, 6) vorzihen = verzichten an, 7) ruweliche = ruhige, ungestörte, 8) bethedingen (ding = das Gericht) = vor Gericht belangen, 9) wertlich = weltlich (Gericht), 10) an myn eynde = was mich anbetrifft = für meine Person, 11) instrument = Brief, Urkunde, 12) uffinparen = öffentlich bestellter, 13) des (im vorliegenden Falle) = deswegen, 14) merer (Komparativ von mehr) = größerer, 15) umb bede willen = um der Bitte willen, 16) Ingeß = Ingesiegel.

Ein Dokument vom 20.11.1546 aus der Kanzlei des Landgrafen Philipps des Großmütigen aus Kassel ist dann für die Mühle zu Harle von Bedeutung.



Wir, Philipp vonn Gots gnadenn, Lantgrav zu Heßen, Grav zu Catzenelenbogen thun kunth hirann, offentlich bekennende, das wir umb sonderlich unser unndt unser erben besten nutzen willen recht unndt redlich verkaufft haben unndt himit in crafft dießes brifs verkauffen unsern undersaßen zu Harlle Hennmoellers nachgelassenn Kinder Vormundern Unssere besserunge ann unserer Moele zu Harll vor unndt umb zweihundert thaler, die wir zu unsern Händenn empfangenn unndt vorther Inn unsern scheinbaren unndt kuntlichen nutzen habenn anwendenn laßen, sagen sie demnach derselbigen hirmit queit unndt wolbezalt, unndt sagenn sie derwegenn solcher besserunge ann berurter (erwähnter) unser moelen in ein ruwigen besitz unndt gewehr, wollenn dere auch ir her unndt wehr sein, so offt undt vill vonnoetenn. Darumb sollenn unndt mögen nun obgemelte kauffer unndt Ire erbenn soliche moelen nach allem Irem bestenn nutzenn gebrauchenn gleich unndt recht am molter gescheenn muge, den Armenn wie den Reichenn, unndt jerlichs unns dargegenn virzehnn virtel korns genn Velspergk in unsere Renterei liffern unndt ein schwein mestenn, wie dann die vorigen Moeller bisher auch gethann habenn, auch die Moelenn inn wesentlichenn baw unndt besserung halten ohn Unnser Zuthun, darzu sie dann das holz und dienst wie vonn alters her habenn sollenn. Wir habenn auch denn vorgementenn kauffern hirinn gnediglichen vergunstigt unndt bewilgt, aldiweil sie die Moeln dermassenn vorstehenn, darvonn denn mahelgesten kein klage kommt, die Zinße gutlich entrichtenn unndt die moeln in baw unndt besserung habenn, das sie vonn einem andern frembden moelner nicht sollenn abgelassen werdenn, wer dan, daß wir die Moeln zu unserm eigenen gebrauch nemen wolten. Wann wir also dann dießen kaufferen obgedachte zweihundert daler widderumb darlegenn lassenn, so solltenn sie unns die moele widder einzureumen schuldig werden. Wer es aber sache (käme es vor), das die keufferr unndt Ire erbenn inn bezalung der Zinße sumig unndt die moele mit in baw unndt besserung haltenn oder aber mit denn Mahelgestenn nit manirlich umbgehen würdenn, so sollenn sie sich der Moelnn selbst entrecht habenn.

Treuelich unndt one geverde des zu urkunde habenn wir unser sampt ingesigel (Gesamtsiegel) hirann henckenn unnd gebenn lassenn zu Cassel den nzwanzigstenn tag Novembris anno dy fünffzehenhunndert Virzig unndt sechs.

Der Landgraf vererbleiht die Mühle zu Harle an die nachgelassenen, noch minderjährigen Kinder des Müllers Hennmöller, vertreten durch einen Vormund, für zweihundert “Thaler”. Denn an der Mühle sind zuvor vom Landgrafen große Besserungen im Wert von 200 Talern vorgenommen worden. Es sind weiterhin jährlich 14 Viertel 2) Korn un dein Mastschwein als Zins und Abgabe an die Renterei Felsberg abzuliefern. sollte der Landgraf die Mühle “zu eigenem Gebrauch” zurückfordern, verpflichtet er sich, die von den hennmöllers eingezahlten 200 Taler zurückzuerstatten. Wenn der Müller mit den Mahlgästen nicht “manierlich” umgeht, in der Zahlung der Zinsen säumig wird oder die Mühle nicht ordnungsgemäß in Bau und Besserung hält, soll er seiner Mühle ohne Entschädigung verlustig gehen. Der Müller soll die Mühle nach bestem Nutzen gebrauchen und den Mahlgästen, die damals in natura zahlten, “am Molter Recht geschehen” lassen 3). Der Landgraf liefert Holz für notwendige Reparaturen und Bauten und gewährt der Mühle “Dienst wie von alters her”.

Im Salbuch Felsberg von 1555 werden ohne namentliche Nennung des Müllers für “die Mühle zu Harle bei der Brücke mit zwei Gängen” 16 Viertel Korn, also zwei Viertel mehr, als Zins genannt und ein fl, sechs alb, sechs Heller als Geldleistung, die sich später auf acht fl, acht alb oder vier Schweine erhöht 4). Wenn ein neuer Müller einzieht, ist Weinkauf 5) zu zahlen.

Nicht allzulange haben die Söhne des Hennmöller die Harler Mühle in Besitz gehabt. Am 10.3.1560 verkaufen Hand und Curdt Hennmöller vor dem Schultheiß Hans Henckel 6) zu Felsberg ihre Erbgerechtigkeit an der Mühle zu Harle an Adam Mezen und Annen, seine eheligen Hausfrawen und allen ihren rechten Erben. Dieser mit Annen verheiratete Adam Meze ist nach den bisherigen Forschungen der erste Metz, den wir mit Sicherheit unseren Ahn nennen können.